Herren I: Wann ist eine Saison eine Enttäuschung?

by tsc on März 2nd, 2010

Eigentlich sollte das hier ja die Oberliga Play-off Vorschau werden. Doch die Frage, was für den BCA in der Postseason 2010 geht, muss weder gestellt noch beantwortet werden: Wir sind nicht dabei. Und doch zermartet mich seit dem dunklen Abend in Kalbe, als der Deckel endgültig auf den Topf krachte, eine Überlegung: Ist diese Saison deshalb eine Enttäuschung gewesen? Wann ist sie das überhaupt?

Wir müssen nicht darüber reden, dass wir gern alle noch ein paar Wochen weitergezockt hätten. Oder das Ende des Jahres absolut nichts darauf hinwies, dass wir die Play-off Sache noch vermasseln würden. Das wir es hinkriegen würden, fünf Siegen am Stück tatsächlich sogar noch eine Niederlage mehr (in Worten: SECHS) nacheinander folgen zu lassen. Das wir zu viel gemeckert – und zu wenig trainiert haben. Das wir (hallo letzte Saison) am Ende wieder mal einen Sieg zu kurz gekommen sind und nun die anderen am Samstagabend “Best of three” gehen  – während wir DSDS schauen müssen. Aber definiert all das allein eine Spielzeit? Nein.

Denn für mich heißt die Frage immer: Woran werden wir uns in ein paar Jahren erinnern, wenn wir auf diese Saison zurückschauen?

2010 02-03 Saisonauswertung OLHIch werde mich an einen Typen aus Belgien erinnern, dessen Vorname nur einen Buchstaben mehr als mein Videoschnittsystem enthält. Der aus dem Nichts auftauchte und trotzdem schon immer dagewesen zu sein schien. Der Midseason taktisch die Frisur wechselte, für ein Auswärtsspiel 30 Brötchen ohne Margarine kredenzte, der mich mit der Angst vorm schwarzen Ritter bekannt machte und darüber hinaus wegweisende Hinweise gab (”immer geradeaus”).

Ich werde mich an einen Team-Manager erinnern, der Tapfer die Weihnachtsfeier-Leber verspeiste, und am Ende dabei trotzdem besser aussah als der Präsi mit seiner Klorolle für den…you know the facts.

Ich werde mich an einen Nachwuchsspieler erinnern, der jede Woche Freitags nachmittags von der Bundeswehr aufbrach, nur um anschließend direkt die U14 genannte Nachwuchshoffnungseinheit zu trainieren, am Abend selbst zu schwitzen, am Samstag und oft auch Sonntags Turniere coachte und Spiele absolvierte, ohne über die wenige Spielzeit zu murren, nur um Sonntagsabends wieder einzurücken, um weiter das Land zu beschützen.

Ich werde mich an Tarantino-Tänzer, Aus-großen-Bechern-Trinker und Boggwurscht-Esser erinnern. An große Jungs, die sich am Pokertisch von der stillen Lady abzocken ließen. An die Anzeigetafel, die 16 USV-Punkte einfach auffrass. An Martins Korbwackler. An Bruckschers links-vor-rechts-zürück-rechts-links-unendlich Moves. An Oma Prehl.

In der Tabelle mag am Ende stehen: Neun Siege, neun Niederlagen. Für mich aber gab es 2009/10 nur eine wichtige Zahl: 1 Team. Diese Mannschaft und all die Fans, Unterstützer und Helfer, die irgendwie zu ihr gehören, haben wieder ausgegraben, was verschüttet war: Eine Identität, wie sich Dessauer Basketball auf und nebem dem Feld anfühlt. Dafür verpass ich gern mal die Play-offs. Wer will schon ne Landesmeisterschale, wenn er stattdessen Kling Klang Master werden kann?

From Allgemein

1 Comment
  1. Petze permalink

    wie Recht der Thomas hat. Natürlich wären die Playoffs drin gewesen – das ist sicher Jedem klar. Aber als Team haben wir ja wohl mal nen riesen Schritt nach vorn gemacht. Wenn wir das so weiterführen kann in der kommenden Saison eigentlich gar nichts mehr schief gehen…. Bin stolz auf euch Jungs !!!! Noch ein Insider…..bin wirklich gespannt, wer den BCA schlägt…….

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