Coach Friedel mit dem richtigen Fokus – nur nach vorn, niemals zurück! // Foto: Hartmut Bösener

Als ich (also ich, die Janet) vor sechs, sieben Jahren nach Dessau kam und arbeitsbedingt mit dem BC Anhalt in Kontakt kam, da war er schon lange da. Unser Spielertrainer der ersten Männermannschaft Mario Friedrich – oder liebevoll Friedel genannt. Zwar war er damals noch nicht direkt als Coach tätig, doch seitdem ist Friedel die Konstante im Oberliga-Team. Immer kompetent, engagiert, konkret und zielgerichtet. Nicht immer einfach ist der Umgang mit den vielen Charakteren im Team. Ich habe ihn immer als fairen Coach mit Zuckerbrot und Peitsche erlebt. Aussagekräftig am Spielfeldrand, versucht er das Team zu Höchstleistungen zu pushen. Auf dem Spielfeld selbst, sieht man ihm sein Alter oftmals nicht an – immer den nächsten Sieg fest im Blick. Wer verliert schon gern. Coach Friedel nicht!

Jetzt in dieser besonderen Situation – mit der Chance auf den dritten Landesmeistertitel in Folge, hat sich Coach Friedel unseren Fragen gestellt und antwortet, wie sollte es anders sein, auf seine ganz eigene souveräne Art. Und wie gewohnt denken wir uns unseren Teil 😉

Fünfmal in den vergangenen sechs Jahren in die Play-offs eingezogen, zweimal den Titel geholt. Muss doch richtig Spaß machen, den BC Anhalt zu coachen oder?
Die letzten Jahre waren definitiv die erfolgreichsten und mit die schönsten Spielzeiten meiner Trainier- und Spielerlaufbahn. Es war und ist eine sehr komfortable Aufgabe, mit diesem Kader zu trainieren und zu spielen. Ich erinnere mich an Saisons, an denen man am Tag vor dem Spiel grad so auf sechs bis acht Spieler kam und regelmäßig gegen den Abstieg spielte – wobei das auch eine sehr spannende, wenn auch nervenraubende Zeit war. (Bloß gut, dass diese Zeiten vorbei sind! Der Sonnenaufgang, erblickt von der Bergspitze, ist viel schöner, als vom Tal aus gesehen – um auch ein bisschen Poesie ins Spiel zu bekommen)

Was hast du mit dem Team in den vergangenen Jahren angestellt, dass es so gut läuft?
Zum einen haben wir konstant einen oberligatauglichen Kader und eine gute Mischung aus Jung und Alt. Zum anderen muss man natürlich auch etwas Glück haben mit Verletzungen, Krankheiten und natürlich mit Spielerzugängen. Hier sind natürlich vor allem Kobe, Stefan, Rami und seit 2 Jahren auch wieder Fabian zu nennen. Aber auch die ganzen Trainingsbedingungen sind durch unseren Verein gut organisiert, das ist nicht überall selbstverständlich. (Danke, für das Lob! Ihr seid auch ganz toll..)

Die Leistungsträger sind nicht mehr die Jüngsten, deshalb wollt und müsst ihr den Nachwuchs in die Mannschaft integrieren. Wie gut funktioniert das?
In den letzten Jahren waren immer recht erfahrene Teams in den Play-Offs bzw. waren die Leistungsträger der Teams fast immer die Routiniers – beim USC Magdeburg Vladi Ivanov und Hannes Menger und beim SV Halle eigentlich alle Spieler. Aber jeder kann sehen, dass der Nachwuchs bei uns permanent Spielzeiten erhält und die Jugendspieler den älteren Spielern den Rücken freihalten. Ich will da jetzt auch keine Namen nennen, wer jetzt besonders hervorsticht. Ich setze die Jugendintegration auch immer als ein Saisonziel – neben der Platzierung – mit an und bisher hat es uns geholfen, erfolgreich zu sein. Diese Praxis wollen wir fortsetzen, aber die Routiniers werden weiter ein wichtiger Bestandteil bleiben. (Das ist wie beim Mindeshaltbarkeitsdatum – ist auch nicht immer gleich alles schimmlig. Der Mix macht es!)

Zweimal in Folge seid ihr Meister gewesen, wäre nun alles andere als ein Threepeat für euch eine Enttäuschung?
Das Team will unbedingt den Threepeat und jeder wird unglücklich sein, wenn wir nicht Meister werden. Zum einen weil wir eine souveräne Saison gespielt haben, vor allem endlich auch zu Hause stark waren, aber auch weil wir wahrscheinlich das beste Team der letzten drei Jahre haben. Auf der anderen Seite fehlen uns mit Mathis und Andi zwei sehr wichtige Alternativen auf dem Flügel. (Tja Friedel, die Situation ist nichts Neues – unser Kampfgeist ist unser Geheimnis – alle Gegner brauchen das hier nicht zu lesen!)

Titelhamster!//  Foto: Oliver Harloff

Alles redet vom Traumfinale BC Anhalt gegen Aschersleben Tigers II. Man muss es doch aber erstmal erreichen oder?
Das gilt für beide Teams! Man hat es letztes Jahr gegen Weißenfels gesehen, dass der Kopf auch stark genug sein muss. Der Druck ist bei uns sicher höher, da wir der Titelverteidiger sind und in einem möglichen Finale keinen Heimvorteil hätten. Aber zuerst müssen beide Teams die Pflicht erfüllen. Magdeburg und die Sixers II haben sich am Ende verdient in die Play-offs gekämpft. Wenn die Sixers voll besetzt sind, können sie jeden schlagen. Wir haben letztes Wochenende gesehen, wie die sich immer wieder zurückgekämpft haben – sie sind bissig und gefährlich.

Nehmen wir mal an, ihr schafft es ins Finale. Wären die Tigers II dann der stärkste Konkurrent der vergangenen Jahre?
Nein, sowohl der USC Magdeburg 2016 als auch der SV Halle 2017 waren mindestens genauso stark. Aschersleben II hätte 2018 den Heimvorteil, aber den hatte der SV Halle auch. Ich denke, falls beide Teams ins Finale kommen sollten, werden es drei spannende Spiele! (aber wir kommen doch ins Finale … klaro!)

Hast du extra Play-off Unterwäsche?
Ich kannte einige Spieler, die Glücksbringer beim Spiel getragen haben, aber ich bin da absolut nicht der Typ für. Das Wichtigste ist eine gute Vorbereitung und Respekt vor dem Gegner. (Komm schon Friedel, auch du hast deine Geheimnisse!)

Danke Friedel für das Gespräch! Und nun frei nach deiner Vorgabe: „Arsch runter und mit den Händen wackeln!“